Im Interview mit Vorstandsmitglied Jojo Liebnau full screen background image
Dienstag, 23 Juni 2020 13:51

Im Interview mit Vorstandsmitglied Jojo Liebnau

geschrieben von
Football ist in der Corona-Zeit nur mit starken Auflagen möglich Football ist in der Corona-Zeit nur mit starken Auflagen möglich Foto: Daniela Heinrich

Angesichts der aktuellen Corona-Situation gibt es nahezu wöchentlich Neuerungen bezüglich einzelner Beschränkungen und Regularien. Eine Zukunft im Sport ist aktuell kaum sicher vorherzusagen. Sicher zu sagen ist jedoch, dass sowohl Verband, als auch Mannschaften um einen Spielbetrieb in 2020 bemüht sind. Hierzu haben wir unser Vorstandsmitglied Jojo Liebnau befragt.

Moin Jojo, durch die aktuelle Corona-Situation in Deutschland hat auch der Sport mit massiven Einschränkungen zu kämpfen. Kannst du vorab einmal schildern, wie die Hamburg Huskies davon betroffen waren?
Auch wir waren natürlich von den Einschränkungen massiv betroffen und unsere Saison wurde sehr kurzfristig auf lange Zeit verschoben. Dazu muss man wissen, dass man im American Football nicht einfach irgendwann anfängt für die Saison zu trainieren, sondern es gibt einen Off-Season und einen Pre-Season-Plan und der wurde in allen Teams komplett über den Haufen geworfen. Die Maßnahmen haben jedoch glücklicherweise dazu geführt, dass alle unsere Spieler und Trainier gesund geblieben sind. Wir haben aber die Aktivitäten nicht etwa ruhen lassen, sondern ganz im Gegenteil, wir haben alles ins Home Office verlegt.

Wie haben die einzelnen Mannschaften auf das Trainingsverbot reagiert und welche Aktivitäten fanden anstelle der Trainingseinheiten statt?
Das eben bereits angesprochene Home Office ist ein gutes Beispiel dafür, wie hervorragend der Verein, die einzelnen Teams und vor allem auch die Coaches und Spieler mit dieser Situation umgegangen sind. Wir haben in allen Teams sehr kurzfristig ein individuelles Videotraining angeboten. Wir haben Home-Workout-Pläne erstellt, für die Zeit, in der man das Haus quasi nicht richtig verlassen konnte, sodass die Spieler zuhause oder im Garten trainieren konnten. Das Abendblatt hat hierüber sogar berichtet. Mein persönliches Highlight ist sicherlich das Teamfoto unserer u19, die Kids haben sich zuhause fotografiert und unserer Headcoach Schulz hat die Bilder zusammengebastelt. (https://www.instagram.com/p/CBPmWFIJ2dF/) Insgesamt war es sehr beeindruckend zu sehen, wie alle in dieser Ausnahmesituation mitgezogen haben, an dieser Stelle auch nochmal ein riesen Dankeschön an alle Coaches für die Organisation und den positiven Spirit in dieser schweren Zeit. Ich glaube wir sind hier als Verein wirklich auch unserer gesellschaftlichen Verantwortung nachgekommen und haben unsere Spieler nicht allein gelassen.

Wie sieht die aktuelle Trainingssituation im Verein aus?
Die aktuelle Trainingssituation ist so, dass wir zwar trainieren dürfen aber immer noch mit den Abstandsregeln, was im American Football eine besondere Herausforderung ist. Aber auch hier haben Coaches, Spieler und Staff hervorragend reagiert und kreative Lösungen erarbeitet. Wir haben sehr kurzfristig das Hygienekonzept tadellos umgesetzt und auch sonst einiges auf die Beine gestellt. De facto kann man sagen, wir trainieren jetzt seit knapp sechs Wochen mit 1,5m Mindestabstand und das hilft natürlich intensiv unseren Basics. Wir hoffen aber natürlich, dass die Infektionszahlen es zulassen, dass auch in Hamburg (Anm. d. Red.: bereits in fünf anderen Bundesländern ist Kontakt im Sport wieder erlaubt) erneut weitere Lockerungen kommen.

Nun hat der AFVD, der für die GFLj/u19 und die 1. Herren in der GFL2 zuständig ist, bereits signalisiert, dass es dieses Jahr für einige Ligen einen Spielbetrieb geben soll, wenn auch in abgewandelter Form. Wie lief die bisherige Kommunikation und wie steht der Verein zu einem möglichen Spielbetrieb 2020?
Aus meiner Sicht hat sich der AFVD sehr früh, sehr stark bemüht, dass Football in 2020 stattfinden kann und es keine pauschale Absage durch die Politik zu einem verfrühten Zeitpunkt gibt. Davon waren wir sehr positiv angetan. Dabei sind diverse Positionspapiere veröffentlicht worden, die sicher nicht alle inhaltlich glücklich formuliert waren und bei denen auch Einschränkungen vorgeschlagen wurden, die nicht realistisch umsetzbar waren. Trotzdem rechnen wir dem Verband hoch an, dass er sich sehr intensiv darum bemüht hat, kreative Lösungen zu finden dafür, dass in 2020 Football stattfinden kann.

Warum ist es denn deiner Meinung nach so wichtig die Saison nicht einfach ausfallen zu lassen?
Wir führen dieses Interview Ende Juni und bereits Anfang Mai gab es Bestrebungen aus vielerlei Kreisen, die Saison komplett abzusagen. Dabei ist denke ich wichtig zu betonen, dass die Entscheidung ob Sport in Wettkampfform stattfinden darf, eh unsere Gehaltsklasse überschreitet. Das entscheidet das Virus und dann die Politik. Für viele unserer Spieler und Trainer, und auch für mich persönlich, war es nicht nachvollziehbar warum man, wenn das Jahr noch sieben Monate hat, jetzt schon pauschal auf jegliche Optionen dahingehend verzichten muss. Für uns steht völlig außer Frage, dass wir uns natürlich an die gesetzlichen Vorgaben halten. Aber wenn Sport wieder erlaubt ist, z.B. ab Juli, August oder September, warum sollten wir dann freiwillig darauf verzichten?

Was hätte denn eine Aussetzung noch für Folgen für die Huskies?
Uns muss allen bewusst sein, dass Football in Deutschland eine Randsportart ist, die sowohl hohe Konkurrenz hat, wenn es um Zuschauer geht, aber auch sehr hohe Konkurrenz hat, wenn es darum geht Athleten im Herren- und Jugendbereich zu gewinnen und zu halten. Wenn wir uns als Sportart geschlossen entscheiden, in 2020 keinen Sport anzubieten, wäre das ein enormer Nachteil gegenüber anderen Sportarten, die vielleicht wieder eine Saison im Spätsommer starten. Ganz abgesehen davon würde das bedeuten, dass zwischen dem letzten Spiel in 2019 und dem potenziellen Saisonstart 2021, fast eineinhalb Jahre liegen und das würde dem Sport und den unterschiedlichen Vereinen sicherlich schaden.

Wie ist die Stimmung innerhalb der Mannschaften bezüglich einer Saison?
Wir sind hier mit allen Teams, also U13, U16, unseren zwei U19-Teams und den beiden Herrenmannschaften im engen Dialog. Was wir durch die Bank weg sagen können ist, dass sowohl Coaches als auch Spieler sich eine Saison 2020 wünschen. Unsere Hoffnung ist natürlich, dass die Infektionslage dies zulässt und auf gesetzlicher Ebene das Thema schon bald erlaubt wird. Und dass die jeweiligen Landesverbände in der Lage sind kreative Lösungen zu finden, wir sollten dabei alle kreativ sein. Wir sind uns unserer gesellschaftlichen Pflicht, aber auch der gegenüber unserer Spieler bewusst und hoffen sehr, dass 2020 noch nicht abgehakt ist und das sollte es auch nicht sein, denn es ist ja noch nicht mal zur Hälfte rum.

Wie sehen die sportlichen Ziele für 2020 aus und wie plant ihr für 2021?
Zunächst hoffen wir natürlich für alle unsere Teams auf eine Saison 2020, bei der es möglichst viele, andere Vereine schaffen ebenfalls teilzunehmen. Ansonsten sind wir aber auch positiv für 2021 aufgestellt. Wir wollen weiter und kontinuierlich wachsen. Bis Ende des Jahres wird außerdem unserer Kunstrasenplatz fertiggestellt. Ein richtiger Footballplatz mit Umkleidekabinen, wofür wir viele Jahre gekämpft haben, daher ist die Freude natürlich riesengroß. Darüber hinaus sind wir in allen Teams gut aufgestellt und arbeiten mit langfristigen Konzepten daran, jedes unserer Team so erfolgreich wie möglich zu machen. Freuen uns aber auch in jedem Team über Zuwachs, sowohl im Orga-Team wie auch als Spieler.

twitter share
© 2020 Hamburg Huskies American Sports e.V.
Back to Top